Peter Felixberger und Lukas Becker über das Buch der Zukunft
„Wir müssen eine Peripheriekultur schaffen“
KI wird die Verlagslandschaft verändern – doch wie genau? Während viele auf technologische Aufrüstung setzen, plädieren Lukas Becker und Peter Felixberger, Geschäftsführer bzw. Programmleiter bei Murmann Publishers, für eine Renaissance der Inhalte und Einbindung der Leserschaft. Erfahren Sie im Interview, weshalb Verlage keine Hypes jagen sollten und wie individuelle Workshopformate das klassische Produkt ergänzen.
Foto/Video: KI-generiert, Freepik
Welche Prozesse und Technologien werden Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf das „Buch der Zukunft“ haben?
Becker: Einer unserer Autoren – ein exzellenter Kenner des deutschen Mittelstands – antwortet auf die Frage nach der künftigen Rolle von KI stets: „Ich weiß es nicht. Und wer behauptet, die Antwort zu kennen, erliegt einer Illusion.“
Genau so würden wir es auch im Hinblick auf das Buch der Zukunft formulieren. KI wird selbstverständlich einen riesigen Einfluss auf die Verlagslandschaft haben, wie sich das aber konkret auswirkt, können wir heute kaum seriös abschätzen. Wovon wir aber überzeugt sind: Das Buch der Zukunft ist gut kuratiert, originell und atmet Zeitgeist. Was ist wirklich wertvoll? Was bietet Mehrwert, was nicht? Welche Themen sind auserzählt, wo liegen die Rohdiamanten, die es zu schleifen gilt? Diese kuratierende Leistung wird in Zukunft immer wichtiger werden – Bücher werden so noch stärker zu Denkformaten: klare Argumentationen, nachvollziehbare Gedankengänge, eine unverwechselbare Stimme. Je generischer die Welt wird, desto wertvoller wird das Originäre.
Wenn sich das Buch inhaltlich und kuratorisch weiterentwickelt: Welche neuen Geschäftsmodelle, Erzähl- oder Buchformate könnten in den nächsten Jahren entstehen?
Felixberger: Was uns immer wieder auffällt: Nahezu alle Versuche, das Buch durch digitale Zusatzschichten aufzublasen – vom Metaverse über gamifizierte Add-ons bis hin zu „Enhanced E-Books“ – sind spektakulär gescheitert. Leser:innen wollen keine künstlich überladene Erweiterung. Der Schlüssel liegt aus unserer Sicht nicht im Aufbrechen des Mediums, sondern in der Erweiterung seines Resonanzraums. Das heißt: Wir müssen eine Peripheriekultur schaffen. Gesprächsformate rund um das Buch, Denken in Communities statt in Einzelprodukten und im Falle des Wirtschaftsbuches auch individuelle Lern- und Workshopformate, die das Buch flankieren. So verschiebt sich auch die Vertriebslogik: weg vom isolierten Produkt, hin zu Ökosystemen aus Wissen, Austausch und Anwendung.

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Lukas Becker und Peter Felixberger sind Referenten der diesjährigen future!publish am 5. und 6. Februar in Berlin. Nutzen Sie bis 21. Januar bei der Anmeldung den 20% Rabattcode „dpr f!p26“ (regulär 690 Euro netto).
„Unsere Branche ist natürlich nicht die beweglichste“
Diese Entwicklungen stellen Verlage vor neue Herausforderungen: Wie müssen sie sich verändern, um angesichts der Medienkonkurrenz und neuer Technologien langfristig relevant zu bleiben?
Becker: Zunächst: Unsere Branche ist natürlich nicht die beweglichste. Das liegt einerseits am Medium selbst, andererseits aber auch an historisch gewachsenen Strukturen, die schwer zu verändern sind. Paradoxerweise ist genau das aber auch eine Stärke: Wir rennen nicht jedem Hype hinterher. Umso wichtiger ist eine klare Positionierung: Was können Buchverlage, was andere nicht können? Aus unserer Sicht ist das vor allem die Gesprächsofferte. Das Buch ist kein reines Produkt mehr, sondern ein Knotenpunkt für Themen, Debatten und Communities. Relevanz entsteht nicht durch Quantität, sondern durch klare Haltung und präzise Nischenbesetzung. Wer nur veröffentlicht, was sich vermeintlich verkauft, verliert Profil und Glaubwürdigkeit. Wer hingegen Themen setzt und kontinuierlich eine Community aufbaut, gewinnt.
Mit welcher Perspektive kommen Sie auf die future!publish 26: Was stellen Sie in Ihrem Workshop vor?
Felixberger: Wir kommen mit einem Angebot auf die future!publish: Wir möchten mit der von mir entwickelten BEEP-Methode in zwei Stunden ein Zukunftsbuch entwickeln. Wir beginnen bei Null und entwickeln ein Unikat – von Autor:innenpositionierung bis hin zur fertigen Buchidee. Kurz: Wir treffen auf die Zukunft, die in unseren Köpfen steckt.
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Lukas Becker ist Geschäftsführer der Murmann Publishers GmbH, zu der neben dem Murmann Verlag auch zahlreiche Beteiligungen im Medienbereich gehören. Der Politikwissenschaftler begann seine Karriere 2018 als Referent der Geschäftsführung in der gemeinnützigen Kursbuch Kulturstiftung und wechselte 2020 zur Murmann Publishers GmbH. Dort war er zunächst im Bereich Business Development und General Management tätig, seit 2024 ist er Mitglied der Geschäftsführung. Seit 2025 ist er Mitglied im Beirat von next.media, der Stimme der Hamburger Medien- und Digitalbranche.

Dr. Peter Felixberger ist Programmleiter der Murmann Publishers, Co-Herausgeber der politischen Kulturzeitschrift Kursbuch und Erfinder der BEEP*-Methode. Seit vielen Jahren entwickelt der Publizist, promovierte Politologe und Soziologe für verschiedene Verlage und Medienhäuser Bücher, Zeitschriften und digitale Medien. Im Murmann und Kursbuch Verlag erschienen u. a. „BEEP! BEEP! Read all about it!“ und „Deutschland. Ein Drehbuch“ (zusammen mit Armin Nassehi).