Alarmstufe Rot im Kinderzimmer
Buchmarkt 2025 mit Umsatzminus: Jüngste Käufergruppen brechen weg
Der deutsche Buchmarkt verbucht für das Jahr 2025 ein spürbares Umsatzminus. Während Hörbücher boomen und „New Adult“-Romane florieren, belastet ein deutlicher Negativtrend die Branche: Die jüngsten Käufergruppen kehren dem Buch in alarmierendem Ausmaß den Rücken.
Published: 9.7.2026 | Foto / Video: Magnific
Die Zahlen, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels heute in seiner Studie „Buchmarkt kompakt 2025/2026“ vorgelegt hat, werfen ein kritisches Licht auf die Entwicklung der Lesekultur. Die Buchbranche hat das Jahr 2025 mit einem Gesamtumsatz von 9,619 Milliarden Euro abgeschlossen. Was nach viel klingt, bedeutet im Vergleich zum starken Vorjahr (9,882 Milliarden Euro) ein Minus von 2,7 Prozent. Neben der schwachen Konjunktur und der allgemeinen Verbraucherunsicherheit kristallisiert sich jedoch ein weitaus strukturelleres Problem heraus: Die Jugend wandert ab. Insgesamt ging die Zahl der Buchkäufer:innen 2025 um 4,9 Prozent zurück. Erneut zurück, muss man an der Stelle betonen, denn seit 2013 hat der Buchmarkt rund 10 Mio Käufer:innen verloren, das sind fast 30 Prozent.
Rückgang bei den Jüngsten: rund ein Drittel weniger Käufer:innen
Besonders schmerzhaft trifft die Branche der Blick auf die jüngste Generation. Bei den 10- bis 15-Jährigen brach die Zahl der Buchkäufer:innen um 30,6 Prozent ein. Der Rückgang schlägt sich unmittelbar bei den Ausgaben nieder: Die Ausgaben in dieser Altersgruppe sackten um 23,8 Prozent ab.
Auch die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen verzeichnete mit einem Minus von 17,8 Prozent bei den Käuferzahlen und einem Minus von 8,5 Prozent bei den Ausgaben einen massiven Einbruch. Lediglich die Teenager zwischen 16 und 19 Jahren stemmen sich derzeit gegen den Trend: Hier stieg die Käuferzahl um 7,7 Prozent und die Ausgaben kletterten um 6,3 Prozent.
Der Verband warnt eindringlich vor den langfristigen Folgen dieser Entwicklung. Wenn die Jüngsten das Lesen verlernen oder gar nicht erst damit anfangen, bricht dem Markt das Fundament für die kommenden Jahrzehnte weg.


Lichtblicke: Audio-Boom und der Hype um „New Adult“
Dass der Markt nicht noch tiefer fällt, verdankt er zwei Trends: dem ungebremsten Audio-Boom und emotionaler Nischenliteratur.
Der Hörbuch-Boom: Das Segment der Hörbücher ist mit einem Umsatzplus von 13,2 Prozent der klare Gewinner des Jahres. Angetrieben wird das Wachstum rein digital: Während die klassische CD dramatisch verliert (-18,6 %), legen Streaming-Abos um 23,1 Prozent und Downloads um 9,2 Prozent zu. Streaming (47,2 % Marktanteil) und Downloads (47,4 %) teilen sich den Audio-Kuchen inzwischen fast brüderlich.
Hype-Genres retten die Belletristik: Die Warengruppe Belletristik blieb mit einem leichten Plus von 1,2 Prozent stabil und hält mit 38,1 Prozent den größten Brocken am Gesamtmarkt. Getragen wird dieser Erfolg maßgeblich durch die Trend-Genres New Adult (+9,6 % Umsatz) und Young Adult (+4,8 % Umsatz). Die Käuferzahlen in diesem Segment kletterten im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 Prozent – ohne jedoch den Käuferschwund insgesamt aufzufangen.
Vertriebswege: Stationärer Handel verliert, Online stabilisiert
Der Sortimentsbuchhandel vor Ort bleibt mit einem Marktanteil von 40,8 Prozent (3,93 Mrd. Euro) der wichtigste Vertriebsweg, musste jedoch Federn lassen und verlor 3,7 Prozent an Umsatz. Der Internetbuchhandel (inklusive E-Commerce der klassischen Buchläden) schloss fast unverändert bei 2,51 Milliarden Euro (-0,1 %) ab und sichert sich einen Marktanteil von 26,1 Prozent.
Weitaus härter traf es die ohnehin gebeutelten Warenhäuser, deren Buchumsätze um 25,2 Prozent einbrachen. Das E-Book-Geschäft dümpelt derweil konstant vor sich hin: Der Umsatzanteil am Publikumsmarkt stieg nur minimal von 6,1 auf 6,3 Prozent.
Verlage in der Defensive: Risikominimierung und weniger Lizenzen
Die unsichere wirtschaftliche Gesamtlage zwingt die Verlage zu extremer Vorsicht. Die Titelproduktion sank drastisch um 9,8 Prozent auf nur noch 52.644 Erstauflagen (2024 waren es noch 58.346). Weil neue Wagnisse gescheut werden, mutiert der Markt zum Retromarkt: Sogenannte Backlist-Titel (Bücher, die älter als 12 Monate sind) machten im Jahr 2025 stolze 57 Prozent aller Verkäufe aus.
Auch das internationale Geschäft kühlt merklich ab: Die Zahl der Übersetzungen ins Deutsche sank um 3,3 Prozent auf 8.465 Titel. Ihr Anteil an allen Erstauflagen stieg allerdings auf 16,1 Prozent. Der Lizenzverkauf ins Ausland ging um 8,0 Prozent zurück (6.137 verkaufte Lizenzen). Die wichtigsten Abnehmer für deutsche Buchrechte waren China, Russland und Spanien.
Düstere Aussichten für 2026
Ein Ende der Durststrecke ist nicht in Sicht. Der Blick auf die aktuelle Halbjahresbilanz für das erste Halbjahr 2026 zeigt, dass sich die Talfahrt beschleunigt. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,1 Prozent zurück, während der Absatz (also die Menge der verkauften Bücher) sogar um 4,5 Prozent einbrach. Kleine Preisanpassungen (+0,4 %) konnten diesen Abwärtstrend in keiner Weise auffangen.
