Haufe verdrängt Springer Nature von der Spitze

Neuer Primus im Ranking „Die 100 größten Verlage“

Die größten Verlagsunternehmen des deutschsprachigen Buchmarkts sind 2025 in Summe leicht gewachsen – getragen vor allem von der Fachinformation, die die Schwäche im Publikums- und Bildungsgeschäft auffing. Das zeigt die neue Auswertung der Erhebung „Die 100 größten Verlage", die das Börsenblatt seit der Einstellung des „Buchreports" weiterführt und die seit 1990 jährlich die Kennzahlen der Branche im DACH-Raum dokumentiert.

Published: 11.6.2026  |  Foto / Video: KI-generiert, Magnific

Zusammengerechnet kamen die 100 größten Verlagsunternehmen 2025 auf 6,67 Milliarden Euro Umsatz, ein nominales Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das entspricht ungefähr der Inflationsrate. Rechnet man die Zuwächse durch Übernahmen heraus, schrumpft das operative Wachstum auf rund 1,5 Prozent – ein Wert, der das Bild einer reifen, bestenfalls stabilen Branche bestätigt. Über viele Jahre lag das durchschnittliche Wachstum der Top 100 zwischen ein und zwei Prozent und damit meist unter der allgemeinen Teuerung.

Eine neue Nummer eins

Erstmals führt die Fachinformationsgruppe Haufe das Ranking an, mit Schwerpunkten auf Management und Steuern und einem Umsatzplus von rund neun Prozent auf 496 Millionen Euro. Springer Nature, jahrelang die Nummer eins, rangiert nach Portfolio-Bereinigungen im DACH-Markt nun auf Platz zwei. Bemerkenswert: Der weltweit aktive Wissenschaftsverlag erwirtschaftet nur etwa ein Viertel seines Umsatzes im deutschsprachigen Raum und gehört mehrheitlich zum Holtzbrinck-Konzern. Es folgen der Bildungsverlag Klett, der RWS-Spezialist Wolters Kluwer und die Publikumsgruppe Penguin Random House.

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Große Streuung, mittelständische Struktur

Hinter dem Durchschnitt verbirgt sich eine breite Spanne: 50 der 100 Unternehmen steigerten 2025 ihren Umsatz, 43 setzten weniger um. 21 Verlage wuchsen um fünf Prozent oder mehr, 16 verloren in dieser Größenordnung. Die Umsätze reichen von 496 Millionen Euro an der Spitze bis zu acht Millionen Euro auf Rang 100 – die Eintrittsschwelle erfasst also auch kleine Häuser. Nur 15 Unternehmen erreichen einen dreistelligen Millionenumsatz; die zweite Tabellenhälfte beginnt bereits bei 34 Millionen Euro. Das verweist auf die mittelständische Prägung der Branche.

Diese Einordnung relativiert sich allerdings: Mehr als ein Drittel der gelisteten Verlage gehört zu größeren Unternehmenseinheiten. Wissenschafts- und Fachverlage agieren häufig international, etwa als Filialen großer Konzerne wie bei Wolters Kluwer, Wiley-VCH oder Elsevier. Im Publikumssegment zählen viele große Häuser zu internationalen Buchkonzernen wie Penguin Random House, Bonnier, Holtzbrinck, HarperCollins oder Egmont.

Fachinformation auf Wachstumspfad

Das umsatzstärkste Segment sind mit 54 Prozent die 39 Fach- und Wissenschaftsverlage. Sie sind im Schnitt größer und stellen allein neun der 15 Häuser mit dreistelligem Millionenumsatz. Digitale Formate haben hier in den vergangenen Jahren neue Geschäftsmodelle eröffnet und rückläufige Anzeigenerlöse kompensiert. Bereinigt um kleinere Übernahmen legte die Gruppe 2025 durchschnittlich drei Prozent zu – nach jeweils knapp vier Prozent in den beiden Vorjahren.

Publikumsmarkt schwächelt

Der Publikumsmarkt stellt mit 52 Häusern die größte Zahl an Unternehmen, macht aber nur 31 Prozent des Ranking-Umsatzes aus. Nominal legten die größten Publikumsverlage um 2,3 Prozent zu, operativ ergibt sich jedoch lediglich eine Stagnation. Der gesamte Publikumsmarkt schrumpfte 2025 sogar: Die Handelsumsätze lagen laut Media-Control-Handelspanel in allen Warengruppen um mehr als zwei Prozent unter Vorjahr.

Bewegung kam vor allem über Übernahmen. HarperCollins verdoppelte mit dem Erwerb des Ratgeberverlags Gräfe und Unzer den Umsatz nahezu und sprang von Rang 56 auf Rang 30. Penguin Random House rundete sein Programm mit dem Comic- und Manga-Verlag Cross Cult ab. Daneben sorgt das wechselvolle Bestsellergeschäft für Ausschläge: Kiepenheuer & Witsch erlebte 2024 mit Angela Merkels Erinnerungen einen Umsatzsprung von 25 Prozent, 2025 pendelte sich der Umsatz wieder auf dem Niveau von 2023 ein.

Bildungsmedien mit Rückgang

Die neun Bildungsverlage, angeführt von Klett, Westermann und Cornelsen, steuern rund 15 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Nach einem Plus von drei Prozent 2024 verzeichnete das Segment 2025 wieder einen Rückgang in ähnlicher Größenordnung. Die Anbieter hängen stark von staatlichen Rahmenbedingungen ab, etwa der seit Jahren kritisierten Finanzierung im allgemeinen Schulbereich und der Deckelung von Integrationskursen.

Dezentrale Landschaft

Anders als in zentralisierten Märkten wie London, Paris oder New York hat sich im deutschsprachigen Raum eine dezentrale Verlagslandschaft herausgebildet. Die 100 größten Verlage verteilen sich auf 37 Standorte – mit gewissen Ballungen in München (16 Verlage), Berlin (13), Stuttgart (10), Hamburg (9) und Köln (8). Am Messestandort Frankfurt sind es nur noch fünf.

Die 100 größten Verlage

Das ausführliche Ranking ist ab sofort online als 120-seitiges E-Paper erhältlich und kostet 89 Euro.

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